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Die roten Wegweiser-Steine im Heidelberger Stadtwald sind nur ganz wenig umgeformte Sandsteinfelsen, die auf zwei oder drei Seiten in weißen Buchstaund ben …… sagen, wohin es an einer Weggabelung oder -Kreuzung geht.

Urspünglich gesetzt unter Koordination einer „Waldkommission“ des Stadtrats, die sich laut einem Protokoll von 1887 für die steinernen Wegweiser stark machte. Das war die Zeit, als das Schloss renoviert wurde und Heidelberg Luftkurort werden wollte. 


Der letzte Stein ist „neu“ gesetzt, modern errichtet worden und enthält die Abkürzung „KGF“ für die Spender, die „Kurpfälzer Gleitschirmflieger Heidelberg“ und die Jahreszahl 2015: Das sind die Daten des neuen Wegweisersteins am Riesensteinweg. Der Verein spendete der Stadt den 700. Stein zum Abschluss einer Aktion, bei der rund 100 Ehrenamtliche die zwischen

1880 und 1910 entstandenen Kulturdenkmale im Stadtwald auffrischten.

Dabei ging es darum, vor Ort die in die Steine gemeißelte Inschrift mit Pinsel und Spezialfarbe wieder leserlich zu machen. Der Stein mit der Aufschrift „Riesensteinweg – Riesenstein“ ist ein Sonderfall: Denn er lag zwar schon an seinem Platz, war aber unbearbeitet. Das hat Steinbildhauer Stephan Laudenklos nun innerhalb von drei Tagen nachgeholt und sich bei der Gestaltung der Buchstaben am historischen Vorbild orientiert.

Einen Buchstaben einzumeißeln und auszumalen kostet etwa 18 Euro. Insgesamt entstanden Kosten von rund 700 Euro, die die KGF übernahmen. Schließlich war deren ehemaliger Vorsitzender Peter Hellwig Projektleiter der Aktion.

Für die ehrenamtlichen Buchstabenmaler gab es im Anschluss an die Stein-Einweihung am Riesensteinweg einen Empfang im Großen Rathaussaal. Dort würdigte Bürgermeister Wolfgang Erichson deren Einsatz. In geschätzten 6000 Arbeitsstunden wurden exakt 40 776 Buchstaben bearbeitet. Somit ist das Projekt mindestens 100 000 Euro wert. Der Chemiekonzern BASF stiftete dafür eine speziell entwickelte Farbe und die Bäckerei Riegler den Kuchen für die regelmäßigen Helferfeste im Wald. Zum Empfang gehörte eine Verlosung mit einem „Königstuhl“ als Hauptgewinn. Er ist ein Geschenk vom „Stuhlmuseum“ der Evangelischen Stadtmission und entstand in der dortigen Werkstatt.

Was die Steine erzählen, fasste Peter Hellwig in einem interessanten Vortrag zusammen. Demnach weist ein einfacher Pfeil auf den Weg und ein gefächerter Pfeil auf das Ziel hin. Außerdem gibt es Kuriositäten in der Schreibweise oder Zielangabe, die ihre ursprüngliche Bedeutung verloren haben. Doch das ist nochmals eine andere Geschichte.

Weblinks, BerichteBearbeiten

* Fotos und mehr Informationen zu den Wegweisersteinen im Heidelberger Stadtwald gibt es auf dem Geodaten-Portal des Online-Stadtplans unter www.heidelberg.de/stadtplan(Freizeitkarte).

* RNZ vom 3.5.16, Seite 6

PM der StadtBearbeiten

Einzigartiges Kulturdenkmal: Ehrenamtliche haben 769 Wegweisersteine im Stadtwald renoviert

Jeder einzelne Stein ist kartiert und im Online-Stadtplan abrufbar.


Der 770. Stein wurde gespendet. Bei seiner Übergabe, also des 770. Wegweisersteins, gespendet vom „Kurpfälzer Gleitschirmflieger Heidelberg e. V.“ am 22. April 2016 gab es am Riesensteinweg im Heidelberger Stadtwald ein Foto mit dem Bürgermeister Wolfgang Erichson und Vertretern des „Kurpfälzer Gleitschirmflieger Heidelberg e. V.“. (Foto von Dittmer)


Noch heute weisen sie bei ausgedehnten Spaziergängen den Weg: Die (nach bisherigem Stand) 769 Wegweisersteine im Stadtwald sind ein einzigartiges Kulturdenkmal. Rund 100 Heidelberger Bürgerinnen und Bürger haben in den vergangenen sieben Jahren Stein für Stein restauriert. In Zusammenarbeit mit dem städtischen Landschafts- und Forstamt haben sie damit eine hundertjährige Forst- und Kulturgeschichte fortgesetzt. Die vorher teils stark bemoosten und verwitterten Steine sind nun alle gereinigt, und die Schrift ist mit frischer Farbe nachgezogen. Die großen Sandsteinbrocken liegen mitunter tief im Wald.

Der Arbeitskreis „Sport und Natur“ des „Sportkreis Heidelberg“ hatte die Aktion „Wegweisersteine“ 2009 gestartet. Bald wuchs das Projekt über die Sportlerszene hinaus und wurde zunächst Teil des städtischen Naturerlebnisprogramms „Natürlich Heidelberg“. Dann begeisterten sich immer mehr Menschen für die Aufgabe, so dass daraus ein Projekt der Bürgerschaft wurde. Jährliche Helferfeste im Wald sorgten für den Zusammenhalt der Freiwilligen. Zum Abschluss des Projektes hatte die Stadt Heidelberg nun alle Helferinnen und Helfer am Freitag, 22. April 2016, zu einem Empfang ins Rathaus eingeladen.

Nach einem Grußwort von Gerhard Schäfer, dem Vorsitzenden des Sportkreises Heidelberg e. V., erläuterte Projektleiter Prof. Dr. Peter Hellwig die Geschichte und Renovierung der Steine. Der Hauptpreis bei einer Verlosung für die Ehrenamtlichen war ein „Königstuhl“, der vom Heidelberger Stuhlmuseum der Evangelischen Stadtmission gestiftet wurde. Anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens spendete der „Kurpfälzer Gleitschirmflieger Heidelberg e. V.“ am Riesensteinweg den 770. Wegweiserstein im Wert von 700 Euro. Die Firma Riegler lieferte kostenlos den Kuchen für alle Helferfeste der vergangenen Jahre. Die Firma BASF hat nicht die nur gesamte Farbe für das Nachmalen der Steine gespendet, sondern sogar eine spezielle Farbe für dieses Projekt entwickelt.

Heidelberg wollte um 1900 ein bedeutender (Luft-)Kurort werdenBearbeiten

Im Heidelberger Stadtwald gibt es ein außergewöhnlich enges Netz von Wegen und Pfaden. Im ausgehenden 19. Jahrhundert beschäftigte man sich intensiv damit, die Orientierung an Kreuzungen im Wald und im Gelände zu erleichtern. An fast jeder Wegkreuzung befinden sich Wegweisersteine. Die schweren Sandsteinblöcke, teils kunstvoll behauen, geben die Namen der Wege und die Richtung zu markanten Stellen im Wald an. Die Verbreitung reicht von Weißen Stein bis Leimen, von Handschuhsheim bis Schönau. Immer ist die Schrift sorgfältig eingemeißelt. Die Buchstaben wurden weiß oder schwarz auf weißem Grund ausgemalt. Wie die Akten im Stadtarchiv belegen, wurden die steinernen Wegweiser hauptsächlich zwischen 1880 und 1910 aufgestellt. Im selben Zeitraum wurde das Schloss restauriert, die Bergbahn gebaut, die Stadthalle entstand, das Hotel Molkenkur bot eine Molke-Diät, die Bismarcksäule wurde errichtet. Heidelberg wollte ein bedeutender (Luft-)Kurort werden.


Über 40.000 Buchstaben in geschätzt 6.000 Arbeitsstunden restauriert

Insgesamt haben die Ehrenamtlichen 40.776 Buchstaben bearbeitet, das sind rund 53 Buchstaben pro Stein. Der heutige Preis der Steinmetzarbeiten liegt bei etwa 18 Euro pro Buchstabe – der Wiederbeschaffungspreis würde also mindestens 734.000 Euro betragen. Die Kartierung, Organisation und Renovierung haben, vorsichtig geschätzt, 6.000 Arbeitsstunden in Anspruch genommen. Der Wert der gesamten ehrenamtlichen Arbeit kann mit mindestens 100.000 Euro veranschlagt werden.

„Terrainkurkarte von Heidelberg und Umgebung“,1892 Bearbeiten

Für die „Bewegung des Bergsteigens“ verspricht „Prof. Dr. Oertel’s System“ günstige Folge bei Störungen im Kreislauf und Schwäche des Herzens. „Desgleichen werden Menschen, welche an übermäßiger Fettablagerung im Körper leiden, (…) allmählich von ihrem lästigen und gefährlichen Übel befreit.“ Die „Terrainkurkarte“ gibt seinerzeit schon die Steigungen der Wege an.


Jeder Stein ist im Online-Stadtplan abrufbarBearbeiten

In Zeiten von Smartphone & Co. muten die Steine mit Richtungs- und teilweise Entfernungsangabe an wie aus dem Märchen. Dennoch geben sie Wanderern nach wie vor Orientierung. Die Computerentwicklung hat es jetzt möglich gemacht, jeden einzelnen Stein in das städtische Geodaten-Portal aufzunehmen. Nach drei Jahren waren die meisten Wegesteine im Gelände gefunden und in das System eingegeben.

Auf diese Weise war das Kulturdenkmal überhaupt zum ersten Mal inventarisiert.

Das Bildarchiv mit Infos zu den einzelnen Wegweisern und ihre Restaurierungsgeschichte sind unter

http://www.heidelberg.de/stadtplan > Freizeitkarte abrufbar. Separater Layer beim Stadtplan in der Menüzeile mit dem linken Knopf (Button) auswähle.

Das Online-Angebot ist beim Abschlussfest präsentiert und symbolisch für die Öffentlichkeit freigeschalten worden.


Waldkommission - Bewusste Umgestaltung des städtischen Forstes in einen ErholungswaldBearbeiten

Doch wie kam es damals zu dieser riesigen Anstrengung in Heidelberg?

Joachim Leuschen ist dieser Frage nachgegangen – ebenfalls ehrenamtlich. Im Stadtarchiv stieß er auf die sogenannte „Waldkommission“, einen Ausschuss, dem drei bis fünf Stadträte und der Oberförster angehörten. 1884 bewilligte die Waldkommission 1.200 Mark für die Ausstellung von 20 neuen Bänken und 20 neuen Wegweisern im Jahr. Auch für die folgenden 30 Jahre finden sich in den Kassenbüchern Belege für Ausgaben in gleicher oder steigender Höhe, so dass bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg 600 Steine aufgestellt worden sein könnten.

Aber nicht nur die öffentliche Hand kümmerte sich um die Infrastruktur im Wald. Der 1884 gegründete „Gemeinnützige Verein“ warb erhebliche Mittel ein (65.000 Mark bis 1904), errichtete Schutzhütten und stellte auf eigene Kosten Bänke und Wegweiser auf. Die Waldkommission bestand darauf, wie ein Protokoll vom 26. Dezember 1887 enthüllt, dass der Verein statt Holztafeln steinerne Wegweiser aufstellen möge, um „ein einheitliches System an Wegweisern herzustellen“.

Die Aufstellung der Wegesteine war also eine bewusste, von vielen getragene Maßnahme zur Umgestaltung des städtischen Forstes in einen Erholungswald.

WWWBearbeiten

eine App Bearbeiten

Viele Wanderer nutzen gerne die „Heidelberg App“. Doch sie sind quasi orientierungslos, wenn sie tief im Wald auf einmal keinen Empfang mehr haben oder der Akku des Smartphones sie im Stich lässt. Viel zuverlässiger sind da die Wegesteine.